Mehrere Stunden täglich verbringen Katzen mit ihrer Fellpflege. Das ist völlig normal und gehört fest zu ihrem Verhalten. Problematisch wird es erst, wenn das Lecken und Kratzen kein Ende findet, kahle Stellen entstehen oder die Haut darunter gereizt und entzündet wirkt. Hinter diesem sogenannten „Overgrooming“, also dem zwanghaften und übertriebenen Putzverhalten, steckt fast immer ein handfester Grund. Mit der richtigen Herangehensweise lässt sich die Ursache jedoch gut eingrenzen.
Katze putzt sich ständig – Ursachen erkennen, richtig handeln
Wann Putzen zum Warnsignal wird
Gesundes Putzverhalten bei Katzen hinterlässt ein gleichmäßig glänzendes Fell ohne kahle oder dünne Stellen, auch wenn Katzen täglich viele Stunden damit verbringen. Beim Overgrooming sieht das anders aus: Das Fell wirkt schütter oder lückenhaft, die Haut darunter ist gerötet, trocken oder schuppig. Bei besonders intensivem Lecken entstehen mitunter auch kleine Wunden. Typische Körperstellen sind Bauch, Flanken und die Innenseiten der Oberschenkel, also alle Bereiche, die die Zunge bequem erreicht.
Intensives Lecken bedeutet zudem, dass mehr Haare als gewöhnlich verschluckt werden, was die Häufigkeit von Haarballen erhöhen und damit auch öfter zu Erbrechen bei Katzen führen kann. Kratzt sich die Samtpfote mit den Hinterläufen, lohnt sich ein Blick auf Kopf, Hals und hinter die Ohren. Schorfkrusten, Schuppen oder Haarreste an den Krallen sind erste Warnsignale. Auch in der Wohnung macht sich Overgrooming bemerkbar: Auf Sofa, Teppich und Kleidung landen deutlich mehr Haare als sonst. Für einen guten Tierhaarstaubsauger gibt es in dieser Phase reichlich zu tun.
Die häufigsten Auslöser im Überblick
Exzessives Putzverhalten ist als reines Symptom zu verstehen und nicht als eigenständiges Krankheitsbild. Die Auslöser fallen dabei meist in die nachfolgenden Kategorien.
Parasiten
Flöhe stehen ganz oben auf der Liste. Schon ein einzelner Floh reicht bei einer allergischen Katze aus, um intensiven Juckreiz am gesamten Körper auszulösen. Die Tiere selbst sind kaum direkt sichtbar, aber frischer Flohkot verrät einen Befall. Auf einem feuchten weißen Tuch hinterlässt er einen rötlichen Abrieb. Bei einem Flohbefall konzentriert sich das Lecken und Kratzen meist auf Bauch, Flanken und die Umgebung der Schwanzwurzel. Ohrräude-Milben sind seltener, verursachen aber ebenfalls hartnäckigen Juckreiz und zeigen sich hauptsächlich im Ohr- und Kopfbereich.
Allergien
Sind Parasiten ausgeschlossen, rücken Allergien bei Katzen in den Fokus. Eine Futterallergie entwickelt sich häufig erst nach Jahren problemloser Fütterung und richtet sich dann gegen typische Proteinquellen wie Hühnchen, Rind oder Fisch. Der Juckreiz verteilt sich dabei gleichmäßig über den gesamten Körper, ohne klaren Schwerpunkt. Umweltallergien gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmel verlaufen dagegen oft saisonal. Im Frühjahr oder Herbst ist das Putzverhalten betroffener Samtpfoten häufig deutlich intensiver als in ruhigen Perioden.
Stress und Verhalten
Katzen putzen sich auch zur Selbstberuhigung, wenn sie angespannt oder überfordert sind. Wiederholt sich dieses Muster über Wochen, kann daraus eine psychogene Leckalopezie entstehen, ein zwanghaftes Lecken ohne körperliche Ursache. Typisch sind kahle, aber entzündungsfreie Stellen am Bauch oder an den Oberschenkeln. Mögliche Auslöser sind Umzüge, neue Tiere im Haushalt, stark veränderte Tagesabläufe oder anhaltende Unterforderung ohne ausreichende Beschäftigung.
Schmerzen und Hautprobleme
Katzen lecken auch über schmerzende Stellen. Wenn sich die intensive Pflege auf eine sehr spezifische Körperzone konzentriert, können ein Abszess nach einer Bisswunde, eine lokale Entzündung oder gereizte Haut dahinterstecken. Runde Kahlstellen mit schuppigem Rand, die kaum zu jucken scheinen, können auf Ringelflechte hindeuten. Als Pilzinfektion, die auch auf Menschen übergehen kann, gehört sie zu den Befunden, die rasch tierärztlich abgeklärt werden sollten.
Was konkret hilft
Flohbehandlung als erster Schritt
Eine gründliche Flohkontrolle steht an erster Stelle, auch wenn die Katze keine Flöhe zu haben scheint. Wirksame Spot-on-Präparate aus dem Fachhandel oder der Tierarztpraxis sollten sowohl die Samtpfote als auch die gesamte Wohnung einbeziehen. Flohlarven können Monate im Teppich und in Polsterritzen überleben, weshalb eine alleinige Behandlung der Katze erfahrungsgemäß nicht dauerhaft ausreicht. Bei Katzen, die extrem haaren, ist eine konsequente Umgebungsbehandlung besonders wichtig.
Futterwechsel & Ausschlussdiät
Bei Verdacht auf eine Futterallergie hilft eine Ausschlussdiät über mindestens 8 bis 12 Wochen. Dabei sollte ausschließlich eine Proteinquelle gefüttert werden, die der Katze bisher unbekannt war, etwa eine exotischere Sorte wie Pferd, Ente oder Känguru. Während dieser Zeit sollten weder Leckerli noch Zahnpflegeprodukte oder sonstige Futterergänzungen hinzukommen. Lässt der Juckreiz in diesem Zeitraum deutlich nach, war das Futter sehr wahrscheinlich der Auslöser.
Stressquellen reduzieren
Mehr Spielzeit, zusätzliche Rückzugsorte und ein gleichmäßiger Tagesrhythmus können psychogen bedingtes Lecken spürbar mindern. Ängstliche Katzen reagieren besonders sensibel auf Veränderungen im Haushalt und brauchen oft mehr Zeit, bis sich das Verhalten wieder normalisiert. Neu eingezogene Tiere oder ein Umzug sollten als ernsthafte Auslöser bedacht werden.
Wann der Tierarzt gefragt ist
Overgrooming, das plötzlich beginnt, sich innerhalb weniger Tage intensiviert oder mit sichtbaren Hautveränderungen einhergeht, gehört in tierärztliche Hände. Selbst wer zu Hause bereits erste Maßnahmen ergriffen hat, kommt um eine Diagnose kaum herum. Manche Ursachen wie Allergien oder Pilzinfektionen lassen sich nur durch gezielte tierärztliche Diagnostik sicher abklären. Die gute Nachricht ist, dass die Ursache in den meisten Fällen gut therapierbar ist, sobald sie feststeht.
Die Erholung setzt dann oft schneller ein als erwartet. Das zwanghafte Lecken lässt nach, das Fell wächst nach, die Haut regeneriert sich. Der schönste Moment aber bleibt der, wenn die Samtpfote wieder ruhig auf dem Sofa liegt und das ausgiebige Putzen einfach nur Putzen ist.